Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Für Arbeitnehmer in Deutschland ist die Zahlung von Entgelt im Fall einer Erkrankung im Entgelt­fortzahlungs­gesetz (EFZG) geregelt. Diese überaus wichtige Regelung ist immer noch nicht allen Arbeitnehmern bekannt.

Anbei die Antwort auf die häufigsten Fragen im Zusammenhang mit der Entgeltfortzahlung:

1. Wer hat überhaupt Anspruch auf die Entgeltfortzahlung?

Dies sind:

  • Arbeiter
  • Angestellte
  • Auszubildende

2. Ab wann besteht der Anspruch?

  • Der Anspruch besteht grundsätzlich ab der fünften Woche seit Beginn des Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses. Eine kürzere Zeit für die Entstehung kann im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag vereinbart werden. Die Vereinbarung einer längeren Frist zur Entstehung ist hingegen unzulässig.
  • Er besteht mit dem Tag der Erkrankung. Wird man während der Arbeit krank, dann beginnt besteht der Anspruch ab dem nächsten Tag.

3. Wie lange besteht der Anspruch?

  • Der Anspruch besteht für maximal sechs Wochen.

4. Wie hoch ist der Anspruch?

  • Der Arbeitnehmer erhält den Lohn, welchen er bekommen würde, wenn er nicht erkrankt wäre.
  • Sollte kein festes, sondern ein leistungsabhängiges Gehalt vereinbart sein, dann erhält der Arbeitnehmer für den Krankheitszeitraum das Gehalt, welches er durchschnittlich verdient hätte. Es wird daher der Lohnausfall kompensiert.
  • Eine Abweichung zuungunsten des Arbeitsnehmers ist durch Tarifvertrag möglich.

5. Was passiert, wenn ich wieder krank werde?

  • Grundsätzlich besteht der Anspruch für jede neue Krankheit für je sechs Wochen. Hat man Beispielsweise eine OP und kann für sechs Wochen nicht arbeiten besteht der Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Wenn man erneut erkrankt, weil man sich zum Beispiel das Bein oder die Hand bricht, nachdem man wieder gearbeitet hat, dann besteht der Anspruch erneut für sechs Wochen.
  • Ausnahmen: wenn man während der ersten sechs Wochen an einer zweiten Krankheit erkrankt, dann gelten als Zeitraum für die Entgeltfortzahlung nur die ersten sechs Wochen. Wenn im oberen Beispiel         während der Zeit der Genesung nach der OP gegen Ende der sechs Wochen eine Mandelentzündung hinzukommt und dadurch eine weitere Krankschreibung erfolgt, welche über den Zeitraum der sechs Wochen           hinausgeht, dann besteht der Anspruch nur für die ersten sechs Wochen nach der OP.
  • Wird der Arbeitnehmer auf Grund derselben Krankheit erneut krank, dann hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung nur dann, wenn er vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht infolge derselben Krankheit arbeitsunfähig war oder die erste Krankschreibung den Zeitraum von sechs Wochen nicht überschritten hat.
  • Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung für ganze sechs Wochen entsteht erneut, wenn wegen der ersten Krankschreibung, infolge der derselben Krankheit eine Frist von zwölf Monaten abgelaufen ist.

6. Was passiert, wenn ich nach den sechs Wochen immer noch krank bin?

  • Dann wird durch die Krankenkasse Krankengeld gezahlt. Dies ist geringer als die Höhe der Zahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz.
  • Das Krankengeld bekommt auch, wer vor Ablauf von vier Wochen nach Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses erkrankt.

7. Kann es passieren, dass ich trotz Vorliegen der Voraussetzungen die Entgeltfortzahlung nicht erhalten?

  • Der Arbeitnehmer, der seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Ein Eigenverschulden wird beispielsweise bei der Teilnahme an einer Schlägerei, einem Unfall nach Trunkenheit am Steuer, der Verletzung auf Grund der Nichtbeachtung der Gurtpflicht oder der Ausübung einer extrem gefährlichen Sportart, der Fall sein.

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